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Barmstedter Zeitung
am 5. Dezember 2006  
Notdienst: Ein Arzt für 205 000 Menschen
"Ich glaube nicht, dass ab nächstes Jahr weniger Menschen krank werden", sagt die Quickborner Ärztin Tatjana Olshausen. Dennoch wird dann im Notdienst nur noch ein Arzt am Wochenende für 205 000 Einwohner verfügbar sein.
Von Beatrice Maass

Quickborn. In Schleswig-Holstein wird im kommenden Jahr der ärztliche Notdienst für die Wochenenden und Nächte neu organisiert. Die Einzugsbereiche werden drastisch vergrößert und Anlaufpraxen für die ambulante Notversorgung geschaffen. Patienten aus Quickborn, Hasloh und Ellerau müssen in Notfällen ins Kal ten kirchener Krankenhaus fahren. Wer einen Hausbesuch benötigt, wird lange auf den Arzt warten müssen. Eine telefonische Beratung kann nicht mehr erfolgen. Denn wer künftig die neue Notdienst-Nummer anwählt, wird mit einem Sanitäter verbunden.

Internist Dr. Frank Stein: "Unsere Hilfe ist nicht mehr erwünscht."

Internist Dr. Frank Stein: "Unsere Hilfe ist nicht mehr erwünscht."

Über diese gravierenden Änderungen des Notdienstes haben Quickborner Ärzte auf einer Pressekonferenz informiert. Begleitet von kritischen Anmerkungen, klärten sie über die von der Kassenärztlichen Vereinigung beschlossene Umstrukturierung auf.

"Bisher wurde der ärztliche Notdienst für das Gebiet Ellerau, Quickborn, Bilsen und Hasloh von einem Notdienstring niedergelassener Mediziner abgedeckt", schilderte Dr. Frank Stein (Internist). "Das war wohnortnah. Wir waren für die Versorgung von zirka 30 000 Einwohner zuständig." Über eine zentrale Rufnummer, die jeweils auf die Praxistelefone der Diensthabenden weitergeschaltet wurde, sei eine schnelle und direkte Erreichbarkeit gegeben gewesen. Künftig - das heißt voraussichtlich ab 1.Januar 2007 oder spätestens ab März 2007 - wird dies nicht mehr der Fall sein. Dann werde ein zentral eingesetzter Arzt ein Gebiet von Bad Bramstedt bis Norderstedt mit etwa 205000 Einwohnern versorgen.

Carmen Petersen hat mit dem bisherigen Notdienst gute Erfahrungen gemacht. Für die Zukunft ist sie besorgt. Fotos: Maaß

Carmen Petersen hat mit dem bisherigen Notdienst gute Erfahrungen gemacht.
Für die Zukunft ist sie besorgt. Fotos: Maaß

"Es wird kein Arzt mehr direkt erreichbar sein, ein Sanitäter wird die Notfälle koordinieren", erklärte Dr. Michael Weber, und Dr. Stein fügte an: "Wir sind am Wochenende und wochentags ab 19 Uhr nicht mehr Anlaufstelle für unsere Patienten. Unsere Hilfe ist nicht mehr erwünscht."

Dr. Gottlieb Lotzien (Chirurg) machte deutlich: "Hausärztliche Betreuung außerhalb der Sprechstunden wird es in der Regel nicht mehr geben."
Wenn die Arztpraxen geschlossen haben und jemand plötzlich Beschwerden bekommt, muss er die Anlaufpraxis im Krankenhaus Kaltenkirchen aufsuchen.
Nicht nur die Ärzte auch Patienten fürchten, dass sich die medizinische Versorgung verschlechtern wird. So zum Beispiel Carmen Petersen (30) aus Hasloh. Sie hat zwei Töchter, fünf und zwei Jahre alt. Kürzlich litt ihre jüngste unter Mandel- und Mittelohrentzündung. "Am Wochenende verschlechterte sich ihr Zustand, sie bekam Fieberkrämpfe", schildert die Mutter. Tatjana Olshausen sei gekommen, habe ihr geholfen, sie unterstützt und beruhigt. "Wie wird das dann, wer hat dann noch so viel Zeit?", fragt die Mutter. Die künftige Rufnummer für den zentralen Notdienst: (0 18 05) 11 92 92.

 

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